Liebe Freunde Jacob Böhmes

zur Zeit haben wir aufgrund der Corona-Pandemie an dieser Stelle keine Termine für persönliche Begegnungen zu bieten oder anzukündigen. Was uns bis vor kurzem zusammengeführt hat, was immer auch mehr war als Kultur-Arbeit, nämlich menschliche Begegnung und Freude aneinander, die einfach nur Freude war, das geht nun alles vorerst nicht.

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Es ist heute ein Zeichen der Vernunft und Solidarität, sich körperlich voneinander fern und auf Distanz zu halten: ein merkwürdiger Widerspruch, den uns nicht abstrakte Gedanken aufnötigen, sondern biologische Sachverhalte, und es entspricht medizinischer Vernunft, dem zu folgen.

Das hätte uns Jacob Böhme auch empfohlen. Wie zur Warnung schreibt er in der „Aurora oder Morgenröthe im Aufgang“ unter dem Stichwort „von der süssen Qualität“:

„Sie ist ein Anblick und Quell der Sanftmuth. Hinwieder hat sie auch einen grimmen Quell, einen Quell des Todes und des Verderbens in sich: denn so sie in der bitteren Qualität entzündet wird in dem Element Wasser, so gebäret sie Krankheit und Pestilenz. So sie aber in der Hitze und Bitterkeit entzündet wird, so infiziert sie das Element Luft, davon gebäret sich die geschwinde, fliegende Pestilenz und jählicher Tod.“

Mag es seltsam klingen, angesichts der herrschenden Pandemie, Jacob Böhme zu zitieren. Was kann er uns schon helfen, wir haben auf wichtigeres zu achten, wir wissen unendlich viel mehr über ansteckende Krankheiten als aus dem Zitat spricht. Aber es kommt nicht immer darauf an, mehr zu wissen. Wenn ich einkaufen gehe, alleine und mit Mundschutz, so rede ich mit meinem Nachbarn, den ich treffe, und wir beide haben auch kaum mehr Ahnung als unser Schuster. Aber wir reden miteinander und bestätigen uns gegenseitig die Richtigkeit medizinischer Maßnahmen. Das leistet Jacob Böhme ebenfalls. In dem Zitat warnt er uns, dass unter bestimmten Voraussetzungen eine Pest sich in der Luft schneller verbreitet als im Wasser. Er mahnt als Mensch unter Menschen, als Schreiber unter Lesern, inmitten seiner sonstigen ach so hohen und bedeutenden Themen. Es gibt keine Trennung zwischen den mystisch-philosophischen Gedanken einerseits und den körperlichen alltäglichen Belangen andererseits. Beides gehört zusammen, und mal ist unser Empfinden ein „Quell der Sanftmuth“, mal müssen wir aufpassen, wenn die pure Luft Krankheiten übertragen kann.

Hoffen wir, dass unsere medizinischen Maßnahmen greifen, auch in dieser Zuversicht ist Jacob Böhme unser Gesprächspartner.

Die Redaktion