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Esaia Stiefel

Böhmes Schriften wenden sich AN, nicht GEGEN Zeitgenossen. Die Bedenken über die Schriften Stiefels und Meths bilden keine Ausnahme. Sie sind keine Apologien, also Verteidigungsschriften, unter denen jene oft subsummiert werden, sondern ein Beitrag zum Dialog mit diesen beiden Kirchenkritikern.
 
Esaia Stiefel lebte von 1561 (Langensalza) bis 1627 (Erfurt) als Fischhändler, betrieb in seiner Heimatstadt einen Weinausschank, soll sich mit Schriften Thomas Münzers auseinander gesetzt und seine Familie von Kirchgängen fern gehalten haben. 1605 wurde er verhaftet, er widerrief seine Aussagen, zog in die Nähe von Erfurt, verfasste weitere Schriften, die ihm 1613 eine weitere Inhaftierung einbrachten, und er widerrief erneut. Stiefel und sein Schwager Ezechiel Meth erwarben in Gispersleben bei Erfurt einen Gasthof und ein Gut, auf dem sie ihre Anhänger unterbringen konnten. Die Erfurter wiesen ihn jedoch aus, bis Basel soll sein Triumphzug gelangt sein, von dem er um 1616 wieder zurück zu kehrt, unterstützt durch eine Gräfin Erdmuthe Juliane von Gleichen, mit der Esaia Stiefel in eheähnlicher Gemeinschaft gelebt haben soll, bis er erneut inhaftiert wurde und in der Haft starb. (Quelle und weitere Details : Will-Erich Peuckert, Einleitung zu Band fünf der Gesammelten Schriften Böhmes)

Dieses Außenseiterleben Esaia Stiefels und seines Schwagers Ezechiel Meth war Böhme im Detail nicht bekannt, und Böhme referiert deren Schriften wohltemperiert, mit einer distanzierten Sympathie:

„Wir können das nicht leugnen, es sey ein Mensch so heilig als er wolle, so ist er doch der Geist der äusseren Welt (…).  Anlangend den Autor, verstehe ich also, daß er freilich wol mag ein frommer, neugeborner, und in Christo mit seiner neuen Geburt und neuen Menschen heilig seyn, wegen Christi Einwohnung (…) Ich verstehe auch Fleisch und Geist in Einem Wesen, und gar nicht Geist ohne Fleisch und Blut. (…) Aber dem Autor mangelt der Begriff der 3 Principien ineinander, als der drey Welten ineinander: Er unterscheidet eine nicht von der andern (…). Also ist er gleich im Leben, Willen und Geiste Christi, wie darinnen ersuncken (…).“ (1;17-21)

Die Gleichsetzung des Berufenen mit Jesus Christus ist es, was Böhme den Sektierern um Esaia Stiefel vorwirft. In der Geschichte der Häresien kam die allzu enge Anbindung der Gläubigen an Christus als Märtyrer einer anmaßenden Selbstheiligung, einer Loslösung von Kirche und Staat gleich, und von diesen frühanarchischen Versuchen religiöser oder hierarchischer Eigenbehauptung müssen wir Böhme wohl unterscheiden.  

Der zweite und ein Jahr später entstandene Teil der Schrift gegen die „Secten Esaia Stiefels“ konzentriert sich auf die von ihnen angenommene „Vollkommenheit des Menschen“, die zur Christus-Identifizierung passt, indem er der ideale Mensch gewesen war, dem nachzuleben „vollkommen“ wäre. Böhme zitiert längere Passagen aus Stiefels Schriften (besonders 1; 1 und 223), so dass wir ein Bild von ihnen gewinnen können.

In den Texten, die zeitgenössische Reaktionen oder Schriften direkt behandeln, erkennen wir Böhme gleichsam zwischen der frühneuzeitlichen und barocken Radikalität von Schwärmern, Propheten und sog. „Krypto-Calvinisten“ und der kirchlichen Orthodoxie.


Umfang: 33 Seiten (Stiefel 1) und 147 Seiten (stiefel 2), Sämtl. Schriften Band 5.
Überliefert in mehreren Abschriften. Zur Zeit beste Ausgabe: Jacob Böhme: Sämtliche Schriften. Herausgegeben von Will-Erich Peuckert/August Faust. Faksimile-Neudruck der Ausgabe von 1730. Fünfter Band. Stuttgart: Friedrich Frommanns Verlag, 1960.

 

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