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Haupttitel der Werkausgabe 1730
posthumes Böhme-Portrait um 1730 Logo3
Pansophicum

Dieser Text ist auch bekannt unter “Mysterium Pansophicum”. Es mag ein eigenes Anliegen von Mystikern sein, Vorgänge erklären zu wollen, die sich nur schwer oder gar nicht beschreiben lassen, die zudem derart fern unserer begrifflichen Vorstellung liegen, dass wir Worte und ihre Bedeutung stark dehnen und in neue Kontexte stellen müssen.

So schien es Böhme mit diesem kleinen Werk gegangen zu sein, das es in sich hat. Nicht weniger als die Entstehung – nicht der Welt, sondern, ihr vorgegriffen, die Entstehung Gottes ist sein Thema. Für unser modernes Verständnis interessant an diesem Text scheint, dass Böhme in der ersten Hälfte kaum das Wort „Gott“ verwendet, in der zweiten umso mehr. Warum?

Die Sätze wollen ganz zu Beginn ohne dieses Wort auskommen und sich vom Nichts, vom Zustand absoluter Leerheit, zu dem ersten Etwas, zu erster Entstehung von Allem fortformulieren. Das klingt so:

„Der Ungrund ist ein ewig Nichts, und machet aber einen ewigen Anfang, als eine Sucht; Dann das Nichts ist eine Sucht nach Etwas: Und da doch auch Nichts ist, das Etwas gebe; sondern die Sucht ist selber das Geben dessen, das doch auch ein Nichts ist, als blos eine begehrende Sucht. Und das ist der ewige Zustand der Magiae, welche in sich machet, da nichts ist; Sie machet aus Nichts Etwas, und das nur in sich selber, und da doch dieselbe Sucht auch ein Nichts ist, als nur blos ein Wille: Er hat Nichts, und ist auch nichts das ihm etwas gebe, und hat auch keine Stätte, da er sich finde und hinlege.
So dann nun also eine Sucht im Nichts ist, so machet sie ihr selber den Willen zu etwas: und derselbe Wille ist ein Geist, als ein Gedancke, der gehet aus der Sucht, und ist der Sucht Sucher, dann er findet seine Mutter als die Sucht. Jetzt ist derselbe Wille ein Magus in seiner Mutter: dann er hat etwas gefunden in dem Nichts, als seine Mutter: dann er hat Etwas gefunden in dem Nichts, als seine Mutter, und so er dann seine Mutter gefunden hat, so hat er ietzt eine Stätte seiner Wohnung.“ (1;1f)

Sucht und Wille bilden hier eine symbiotische, erotische Einheit, und sie ist für Böhme der Beginn von allem. Eine kosmische Leere muss überwunden werden, und ein Fünkchen reicht, um darauf hin die auch aus anderen Werken bekannte Qualitätenlehre abzuspulen. Wenige seiner Texte sind derart schwierig und kompakt zugleich, in ihrer Knappheit eine gute Einführung, in ihren verklausulierten Formulierungen sicher auch eine Herausforderung. Vgl. auch die Ausführungen zu der “Qualitätenlehre”.


Umfang: 14 Seiten, Sämtl. Schriften Band 4.
Überliefert in mehreren Abschriften. Zur Zeit beste Ausgabe: Jacob Böhme: Ein gründlicher Bericht [vom irdischen und himmlischen Mysterio] (1620) / A Fundamental Report. In: Aurora (Morgen Röte im auffgang, 1612) and Ein gründlicher Bericht or A Fundamental Report (Mysterium Pansophicum, 1620) by Jacob Boehme. With a Translation, Introduction, and Commentary by Andrew Weeks and Günther Bonheim in Collaboration with Michael Spang as Editor of Gründlicher Bericht. Leiden, Boston: Brill, 2013.


 

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