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Cynthia Borgeault

Eine Einführung in die Kosmologie des Jakob Böhme

Die amerikanische zeitgenössische Mystikerin und Autorin Cynthia Bourgeault würdigt Jacob Böhme als kraftvollen Visionär, der mit seinem Werk einen tiefen Einblick in die Psychologie des Menschen und in die Kosmologie gibt. Einsichten Böhmes in „Christosophia – Der Weg zu Christo“ zum Hören und Sehen Gottes über den Weg der „wahren Gelassenheit“ verknüpft sie gezielt mit der Meditationspraxis des „Gebets der Sammlung“ und der Übung „Loslassen“. Bourgeault erkennt in jenem spirituellen Prozess Parallelen zu den drei Prinzipien aus Böhmes „Vierzig Fragen von der Seelen“ und beschreibt ihre Gedanken und praktischen Erfahrungen zu diesem Zugang zu Böhme. Für ihre spirituelle Arbeit ist die Erkenntnis Böhmes wichtig, dass die Seele aus dem ersten (grimmigen) Prinzip, dem Zorn hergeleitet wird und diese leidenschaftliche überidentifizierte Seele nicht etwas ist, was es auszumerzen gilt. Vielmehr ist sie Grund und Ursache für die Transformation. Aus den Bausteinen des ersten Prinzips - Begehren, Schmerz, Qual und Angst - kann im zweiten Prinzip (Lichtwelt) die Liebe als „Gegenwurf“ geformt und im dritten Prinzip (sichtbares Universum) manifestiert werden. Als höchste Einladung an uns Menschen leitet Cynthia Bourgeault ab, diesen „Gegenwurf“, wie Böhme das Abbild der ursprünglichen Einheit nennt, unseres Selbst zustande zu bringen.

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Ronald Steckel: ANMERKUNGEN

Ronald Steckel: ANMERKUNGEN ZUR FRAGE NACH JACOB BÖHMES QUELLEN.

Vortrag, gehalten auf der Tagung der Internationalen Jacob Böhme Gesellschaft, Görlitz 2018

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radioWissen: Mystiker und ihr Vermächtnis, auf Bayern 2. Der Mystiker Jacob Böhme

 

radioWissen: Mystiker und ihr Vermächtnis, auf Bayern 2. Der Mystiker Jacob Böhme: "Wenn alles sich zum Ganzen webt". Autor: Rolf Cantzen / Regie: Axel Wostry

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Painting “The Last Kingdom” by D. S. Reif

Gemälde “The Last Kingdom” von D. S. Reif, Missouri, USA (Oil on textured canvas,  75cm x 100 cm, 2019)

Um 1800, ein Jahr vor seinem Tod, schrieb Novalis (Friedrich von Hardenberg) das Gedicht "An Tieck". Es enthält die folgenden Verse:         

 

“Du wirst das letzte Reich verkünden,last kingdom thumb

Was tausend Jahre soll bestehn;

Wirst überschwenglich Wesen finden,

Und Jakob Böhmen wiedersehn.(1)

Der Dichter stellt sich ein Ereignis vor, bei dem das "letzte Königreich" erklärt wird und wir Jacob Boehme in dieser verzauberten Zukunft begegnen werden.  Vielleicht nicht buchstäblich persönlich, aber wir werden uns mit dem von Böhme verkündeten philosophischen Korpus auseinandersetzen. 

            Novalis (Friedrich von Hardenberg 1772-1801) war einer der Schriftsteller, der dafür berühmt wurde, dass er beim Aufbau der romantischen Kulturbewegung in Jena, Thüringen, mitgewirkt hatte.  Kristine Hannak (2) erforscht den Einfluss von Boehme auf Künstler, die Boehme in das Europa nach der Aufklärung injizieren würden.

            Jacob Boehme (1575-1624) war ein christlich-mystischer und produktiver Autor, aber sein Werk erhielt nicht immer die Aufmerksamkeit, die es verdiente. Für einige seiner Zeitgenossen waren seine Schriften rätselhaft und geheimnisvoll. Im Laufe der Jahre fanden seine Werke ihren Weg nach Amsterdam, London (mit den englischen Böhmisten) und in andere Zentren des fortgeschrittenen protestantischen und theosophischen Denkens.  Als Ludwig Tieck (1773-1853) den Dichter Novalis Böhme nahe brachte, änderte das nicht nur sein Leben, sondern auch seine Welt. 

            Das Konzept des "letzten Königreichs" fand bei mir Anklang, als ich es zum ersten Mal bei Novalis las.  Der Dichter Novalis verstand Böhme auf eine Weise, die ich nicht erwartet hatte, aber in ihrer Einfachheit tiefgründig war.  Novalis und seine Kollegen sahen Böhme sowohl als Dichter als auch als spekulativen Theologen. "Die wichtigste Transformation in der romantischen Wahrnehmung von Böhme ist das Verständnis von Böhme als Dichter." (3) Die Sprache sowohl religiöser als auch mystischer Texte ist gefüllt mit Metaphern, Analogien, Symbolik und anderen ästhetischen Formen.  Die Konzepte von Böhme zusammen mit der Poesie zu zeichnen, war eine naheliegende Folgerung.

            Der österreichische Psychologe Herbert Silberer (1882-1923) beobachtete zu Boehme folgendes: "Dieser Theosoph (Boehme) nutzt die alchemistische Symbolik so sehr, dass wir sie überall dort finden, wo wir seine Schriften öffnen". (4) Die Sprache der Alchemie ist eine weitere Parallele zur Poesie mit einer Konstellation von Symbolismus, die je nach Kontext unterschiedlich interpretiert werden kann, aber eine Bedeutung hat, die innerhalb anerkannter Grenzen liegt.  Die Ähnlichkeiten zwischen Böhmes Schriften und symbolischer (romantischer) Poesie rufen uns durch die Dämpfe der Geschichte geradezu an.

            Die Herausforderung für mich bestand darin, ein Gemälde zu schaffen, das die Kraft von Novalis vermittelt, Boehme in Form eines Bildes zu interpretieren, ohne die Konzepte zu übernehmen, indem man sie zu wörtlich nimmt.  So wurde ich in die Welt der Symbolik und Metapher getrieben.  Die ganzheitliche Sichtweise meiner Malerei, "Das letzte Königreich", war Teil der Symbolik. Die gebrochene (oder strukturierte) Oberfläche des Malstils eignet sich gut für das Thema, das Bild poetisch und weich definiert zu sehen. 

            Unser Blick auf das Gemälde schweift durch das Fenster der Moderne, deren zerschneidende Linien und Ablenkungen versuchen, unser Verständnis zu verbergen. Das Bild einer wüstenartigen Landschaft könnte Verwüstung bedeuten, oder für mich ein Feld mit endlosen Deutungs-Möglichkeiten darstellen.  Darauf legte ich die reiche dunkle pyramidenartige Form, die mit uraltem Geheimnis und ewiger Weisheit lebendig ist, die die Geheimnisse der Dreifaltigkeit umarmt. 

            Dies schafft die Voraussetzungen für die glühende Sphäre der unsterblichen Schöpfung, die über dem Horizont schwebt und mit ihren sieben Geistern Gottes, Böhme zufolge, das denkbare Universum mit dem lebendigen Licht und der göttlichen Sophia erhellt. Das ist kurz gesagt die Vision, die ich hatte, als ich zum ersten Mal die Worte von Novalis las. Wie in einem zeitlosen Raum projizierte Novalis eine meditativ-reduzierte Realität, die so tiefgründig war, dass sie in der Lage war, mich mit einer ewigen Wellenlänge zu durchdringen und zu erreichen. 

D.S. Reif

 

1 An Introduction to Jacob Boehme, Four Centuries of Thought and Reception, ed. Ariel Hessayon and

 Sarah Apetrei, (Routledge, New York, 2014), p. 162

2 Ibid., Boehme and German Romanticism, Kristine Hannak, pp 162-179.

3 Ibid., p.166.

4 Dr. Herbert Silberer, Hidden Symbolism of Alchemy and the Occult Arts, Dover, 1971, p. 170.

 

Günther Bonheim: Bericht über das Linzer Archiv

Lesen Sie hier den Bericht über das "Linzer Archiv", dem langjährigen Aufbewahrungsort zahlreicher Handschriften Jacob Böhmes. Weiterlesen

 

Zur Qualitätenlehre Jacob Böhmes

 

Thomas Isermann. Zur Qualitätenlehre Jacob Böhmes. Ein erster Überblick. weiterlesen (Download)

 

Über die Titelkupfer zu Böhmes Werken

 

Günther Bonheim und Thomas Isermann: Über die Titelkupfer zu Böhmes Werken. Weiterlesen

 

Heinrich Hilpert: Die Leidenstheorie J. Böhmes

Eingescannte Fassung der Dissertation von 1952. Informationen unter Rezensionen

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